Einführung in die Fridrich-Methode, Teil 3:
PLL (Sortieren der oberen Ebene)

Fridrich-Methode (CFOP): [F2L] [OLL] [PLL-Einführung] [PLL, alle Perms]

Nun kommt der letzte Teil der CFOP- bzw. Fridrich-Methode zum SpeedCuben des 3×3-Zauberwürfels. Nach weißem Kreuz, F2L und OLL ist der Zauberwürfel nun unten gelöst und obendrauf komplett gelb. Nur die Ränder der gelben Seite stimmen noch nicht; die gelben Steine müssen noch untereinander getauscht werden, damit sie an den richtigen Positionen stehen. Das ist die Ausgangsposition für PLL, den vierten Teil von CFOP (Cross, F2L, OLL, PLL), den wir hier nun besprechen.

Für PLL gibt es 21 Fälle zu unterscheiden, aber keine Sorge: Man muss sie wirklich nicht alle lernen. Man kann schon ganz passable Zeiten erreichen, wenn man nur einen Teil davon beherrscht. Dann macht man halt 2 verschiedene Perms (z.B. einen, um die Ecken richtig zu stellen und einen zweiten für die Kanten) statt dass man dies mit einem einzigen Perm erledigt.

Mit jeder weiteren Zugfolge, die man dann im Laufe der Zeit zusätzlich lernt, kann man seine Zeiten verbessern, weil man jeweils eine bestimmte Situation direkt mit einem einzigen Algorithmus lösen kann.

Diese Perms könnt Ihr schon

Im vorigen Artikel habe ich es schon angedeutet: Wer den Zauberwürfel mit der Anfängermethode dieses Blogs löst, kann schon 3 Perms, auch wenn er dies vielleicht noch gar nicht weiß. Denn im letzten Schritt (3.4) tauschen wir ja die gelben Ecken untereinander. Entweder 3 Stück oder 4 Stück, ziemlich intuitiv. Und genau das machen die beiden A-Perms und der E-Perm. Die brauchen wir also vorerst gar nicht lernen, solange wir mit der Geschwindigkeit der intuitiven Vorgehensweise zufrieden sind.

Das Gleiche gilt übrigens für den H-Perm. Der sieht zwar so aus, als würde er gar keine Ecken tauschen, sondern nur Kanten. Aber wenn wir mit einer U2-Drehung die Kanten an ihren Centern ausrichten, müssen auf einmal 4 Ecken getauscht werden, und zwar diagonal.

Insgesamt könnt Ihr also 4 von 21 Perms schon, ohne Algorithmen zu lernen. Aber für die Kanten müssen wir doch wenigstens einen Perm lernen – besser allerdings mehrere.

Die ersten neuen Perms

Die Ecken sind also kein Problem mehr, aber wir brauchen mindestens 1 Perm, um vor dem Lösen der Ecken die Kanten richtig zu stellen. Wenn wir es (wie in der Anfängermethode) mit Sune machen würden, dann würden wir uns die gelbe Oberseite zerstören. Daher ein Perm, denn die lassen die Orientierung der Steine ja unverändert. Als erstes würde ich den hier empfehlen:

Der U-Perm 1

Für die Kanten nehmen wir den U-Perm, der die Kantensteine in Form eines kleinen U untereinander tauscht (naja…). Die vordere Kante wandert nach rechts, die rechte nach links, die linke nach vorne. Also im Gegenuhrzeigersinn.

Ich nenne ihn trotzdem U-Perm rechts, weil ich beim Betrachten des vorderen Steins entscheiden muss, ob er nach rechts oder nach links gehört. Gehört er nach links, muss man entweder die gespiegelte Version dieses Zuges lernen (L’ U L’ U’ L’ U’ L’ U L U L2, oder die Rückwärts-Version R2 U R U R’ U’ R’ U’ R’ U R’), oder man macht den Zug noch ein weiteres Mal. Hier also der „U-Perm 1“ (kurz auch „Ua-Perm“ genannt):

R U‘ (R U R U) R U‘ (R‘ U‘ R2)


Wie gehen wir nun konkret vor, um mit diesem einzigen Perm (und mit dem Eckentauschen wie in der Anfängermethode) den Zauberwürfel zu lösen? Nachdem das gelbe Kreuz gemacht wurde, sucht man bei der Anfängermethode ja die Stellung, wo zwei gelbe Kanten an ihre seitlichen Center passen. Hier jedoch suchen wir die Stellung, wo möglichst nur eine Kante passt. Diese passende Kante hält man nach hinten und macht dann den U-Perm 1. Wenn es dann noch nicht passt, muss man ihn noch einmal machen (oder man hätte auch gleich den U-Perm 2 nehmen können).

Kleiner Tipp: Wenn Ihr (wie bei der Anfängerlösung) die Stellung gefunden habt, wo zwei benachbarte Kanten passen, dann stellt diese wie gewohnt nach hinten und rechts (also die ungelösten Kanten nach vorne und links).

Dann macht Ihr eine Drehung U und y, und schon steht die Oberseite so, dass ein einziger Ua-Perm ausreicht.

Spätestens nach 2 Ua-Perms sollten die Kanten richtig zueinander stehen und können mit Drehungen der Oberseite an den mittleren Centern ausgerichtet werden.

Manchmal kommt es vor, dass es keine Stellung der Oberseite gibt, wo nur eine Kante passt. Entweder passt gar keine, oder es passen gleich 2 gegenüberstehende (wie bei Sune+U’+Sune in der Anfängermethode). Dann einfach irgendwo den U-Perm machen, und schon lässt sich eine solche Stellung finden.

Jetzt braucht man nur noch die Ecken tauschen (Mit A-Perms, E-Perm, oder wie oben beschrieben intuitiv wie in der Anfängermethode). Herzlichen Glückwunsch, der Cube ist nun gelöst – mit einer rudimentären Form der Fridrich-Methode, also erst 2-Look-OLL und dann ein noch stark vereinfachtes PLL.

Natürlich ist es nicht besonders schnell, wenn man den U-Perm mehrfach anwenden muss und danach noch mit unserem A-Perm-Ersatz die Ecken sortiert. Daher möchte ich hier für den Einstieg noch 1 oder 2 weitere Perms empfehlen, die man möglichst bald nach dem U-Perm (bzw. den U-Perms) lernen sollte:

Der T-Perm

Der T-Perm ist angenehm zu drehen, die T-Situation ist leicht zu erkennen, und er hilft immer dann, wenn 2 Ecken getauscht werden müssen – nicht nur beim normalen Zauberwürfel, sondern z.B. auch beim Pocket Cube (2x2x2).

Wie die Abbildung zeigt, tauscht der T-Perm 2 Ecken und 2 Kanten in Form eines großen T. Bei der Version des T-Perms, die ich gleich zeige, liegt das T nach rechts gekippt auf der Seite – es werden also die beiden rechten Ecken getauscht und die dazwischen liegende Kante mit der ihr gegenüber liegenden.

Und hier ist die Zugfolge für den T-Perm:

(R U R‘ U‘) (R‘ F R2) (U‘ R‘ U‘) (R U R‘ F‘)


Dies sieht schlimmer aus als es ist: Erst ein Sexymove-Rechts, dann R‘ F R2, dann 3 Linksrum-Drehungen und abschließend eine Variante des Sexy-Move, bei der mit F‘ statt U‘ abgeschlossen wird.

Mit der üblichen Fingerhaltung wie beim Speedcuben lässt sich dieser Zug sehr angenehm drehen, weshalb ich eine Zeitlang kaum noch A-Perms zum Sortieren der Ecken verwendet habe. Wenn man den T-Perm kann, dann kann man nämlich auch mit dem Sortieren der Ecken anfangen, statt mit den Kanten zu beginnen: Sieht man auf einer Seite 2 Ecken, die farblich zueinander passen, dann stellt man diese nach links und tauscht die beiden rechten Ecken mit dem T-Perm. Schon passen alle Ecken, und die verbliebenen Kanten löst man mit 1 oder 2 U-Perms (oder später je nach Situation mit H-Perm oder Z-Perm).

Ich möchte Euch aber gerne noch eine zweite Variante des T-Perms zeigen. Sie hat den Vorteil, dass sie bei den Drehungen der rechten Ebene immer nur Doppeldrehungen verwendet (also R2), so dass man sie z.B. auch sehr gut an Cuboids wie dem 3x3x2 oder dem 3x3x4 anwenden kann, bei denen ja keine 90-Grad-Drehungen möglich sind. Sie geht so:

(R2 U R2 U‘ R2 U‘ D) (R2 U‘ R2 U R2 D‘)


Vielleicht kennt Ihr den Zug schon. Es ist nichts anderes als Schritt 2.1 und 4.1 auf meiner Seite über die Lösung des 3x3x4-Quaders. Nur dass ich hier R2 notiere, während beim Zauberquader eine 180°-Drehung nur als R bezeichnet wurde.

Variante 1 ist schöner zu drehen (und schneller), Variante 2 ist dafür auch bei Zauberquadern (Cuboids) zu verwenden, die keine 90°-R-Drehungen zulassen. Sucht es Euch aus, oder lernt beide. 🙂

Der J-Perm

Wenn man den (ersten) T-Perm kann, bekommt man den J-Perm quasi gratis dazu, denn dieser hat die gleichen 4 Elemente, allerdings in „geänderter Wagenreihung“, wie es bei der Bahn so schön heißt. 🙂 Hier der Vergleich. Die erste Klasse befindet sich nun am Anfang des Zuges:

T-Perm: (R U R‘ U‘) (R‘ F R2) (U‘ R‘ U‘) (R U R‘ F‘)
J-Perm: (R U R’ F’) (R U R’ U’) (R’ F R2) (U’ R’ U’)

 

Der letzte Zugteil des T-Perms wird beim J-Perm einfach zuerst gemacht, und der Rest ist gleich.

Genaugenommen heißt dieser Zug J-Perm 2 oder Jb-Perm. Da die gespiegelte Version aber wie ein L aussieht, wird sie oft L-Perm genannt. Den eigentlichen J-Perm dann „2“ bzw. „b“ zu nennen, finde ich ein wenig ungünstig. Daher bleibe ich gewöhnlich bei der Bezeichnung L-Perm und J-Perm.

Nun haben wir 2 Algos, um benachbarte Ecken zu tauschen (T-Perm und J-Perm) und den U-Perm, um anschließend die Kanten in Ordnung zu bringen. So herum finde ich es übersichtlicher und schneller als bei der Minimalversion, zuerst mit dem U-Perm die Kanten zu sortieren und dann die Ecken wie in der Anfängermethode dazwischen zu stellen.

Was nun noch fehlt ist ein Algo, wenn 2 Ecken diagonal vertauscht sind. Zwar kann man dies auch mit doppeltem T-Perm lösen, aber schöner ist natürlich ein extra Perm für diesen Fall:

Der Y-Perm

Der Y-Perm tauscht zwei Ecken und zwei Kanten. man erkennt ihn recht einfach daran, dass eine Ecke umrandet ist von 2 schon gelöst aussehenden 2er-Blocks (Ecke+Kante). Diese einzeln stehende Ecke nach vorne rechs halten und los geht’s:

(F R) U’ R’ U’  (R U R’ F’)  (R U R’ U’)  R’ F R F’



Auch hier gibt es einige charakteristische Abschnitte, die uns schon bekannt vorkommen: Nach einem furios eröffnenden F R 😉 kommt zunächst „dreimal linksrum“, dann die vom T-Perm schon bekannte F‘-Variante des Sexy-Move (warum hat die keinen offiziellen Namen?), gefolgt von einem echten Sexy-Move und einem „Sledgehammer“ (siehe „Tipp für Fortgeschrittene“ in der Anfängermethode, Teil 1.2), der das letzte F2L-Paar wieder in seinen Slot einbaut.

So, Zeit für eine kurze Zusammenfasslung, damit vor lauter Perms nicht der Überblick verloren geht, was wir damit machen. Wir haben jetzt also 2 verschiedene Varianten unseres PLL-Einstiegs:

  • Wer bisher nur den U-Perm kann, bringt mit diesem zunächst die Kanten in die richtige Position und löst als zweiten Schritt die Ecken wie in der Anfängermethode.
  • Wer auch schon den T-Perm kann, wird es vermutlich einfacher finden, damit (und ggf. mit dem Y-Perm) zunächst die Ecken richtig zu sortieren und dann mit U-Perms die Kanten zu lösen.

Je mehr von den insgesamt 21 Perms man kann, desto wahrscheinlicher wird es, dass man im letzten Schritt, PLL, den kompletten SpeedCube mit einem einzigen Algorithmus lösen kann. Aber auch schon mit 1 bis 3 Perms kann man Zeiten erreichen, die schon unterhalb der Anfängermethode liegen. Wer mit den Perms dieser Seite beginnt, wird schnell Fortschritte machen; daher meine Empfehlung mit U-Perm(s), T-Perm, (J-Perm) und Y-Perm) zu starten.

Ich persönlich kann inzwischen 18 der 21 Perms, aber wenn der E-Perm dran ist, nehme ich noch immer die Anfängerlösungs-Variante (oder T-Perm + U2 + T-Perm), und statt der beiden G-Perms c und d mache ich einen T-Perm und den dann übrig bleibenden U-Perm. Bis Ende des Jahres 2018 habe ich aber hoffentlich Full-PLL drauf, und zwar auch einhändig…

Nun wird es aber Zeit für eine Übersicht über alle Perms. Davon handelt der folgende Artikel.

Fridrich-Methode (CFOP): [F2L] [OLL] [PLL-Einführung] [PLL, alle Perms]

 

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2 Kommentare zu Einführung in die Fridrich-Methode, Teil 3:
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