Einführung in die Fridrich-Methode, Teil 2:
OLL (Orientieren der Oberseite)

Fridrich-Methode (CFOP): [F2L] [OLL] [PLL-Einführung] [PLL, alle Perms]

Nachdem ich im vergangenen Artikel gezeigt habe, wie man als Zauberwürfel-Anfänger auf den unteren beiden Ebenen den ersten Schritt zum SpeedCuber machen kann (F2L), geht es jetzt her weiter mit der (gelben) Oberseite des Cubes, denn auch da gibt es einiges zu optimieren. Bei der Fridrich-Methode, die ja auch CFOP genannt wird (Cross, F2L, OLL, PLL), werden nach Fertigstellung der ersten beiden Ebenen im nächsten Schritt die Steine der dritten Ebene so orientiert, dass die Oberseite einfarbig erscheint. Dies nennt man OLL, Orientation of the Last Layer, also Ausrichtung der letzten Ebene.

Bevor man „Full-Fridrich“ kann, wo man (mit ziemlich vielen Zügen) die letzte Ebene in 2 Schritten lösen kann (OLL und PLL, also Orientierung und Anordnung der Steine der letzten Ebene), verwendet man gewöhnlich zunächst eine Vereinfachung: Man macht zunächst das schon bekannte „gelbe Kreuz“, indem man die Kanten der letzten Ebene so orientiert, dass ihre gelben Seiten nach oben zeigen (Schritt 3.1 in der Anfängerlösung). In welcher Reihenfolge sie angeordnet sind (3.2), spielt bei Fridrich zunächst keine Rolle.

Vorteil: Wenn das gelbe Kreuz bereits gemacht ist, gibt es viel weniger Züge zu lernen (nämlich nur 7 statt 57), die die Oberseite vollständig gelb erscheinen lassen.

Man müsste also 50 Zugfolgen mehr lernen, und zwar so gut und sicher, dass sie sich schneller anwenden lassen als es (im längsten Fall) dauert, F R U R‘ U‘ F‘ + f R U R‘ U‘ f‘ zu drehen. Da wird leicht ersichtlich, dass man sich erst einmal auf „2-Look-OLL“ beschränken sollte. Damit ist gemeint, dass man beim ersten Look das gelbe Kreuz macht und quasi beim zweiten Hinschauen den Rest von OLL.

Nachdem man das gelbe Kreuz gemacht hat, bleiben nur noch folgende 7 Fälle zu unterscheiden:

  • Sune
  • L-Sune (Anti-Sune)
  • Headlites
  • Chameleon
  • Blinker
  • Car
  • Bowtie

Wie kann man diese 7 Fälle am einfachsten lernen und unterscheiden? Ich habe die Situationen vor einem Spiegel abgeknipst, so dass man Vorder- und Rückseite des Würfels sehen kann. Und Schemazeichnungen der Oberseite habe ich auch gefertigt.

Wenn man das gelbe Kreuz erstellt hat, sind auf der Oberseite entweder 0 oder 1 oder 2 Ecken bereits gelb. Darauf zunächst zu achten, hilft bei der schnellen Erkennung der jeweiligen Situation:

Keine gelbe Ecke oben

Bei null gelben Ecken auf der Oberseite gibt es zwei Möglichkeiten:

Car (OLL 10)

Es handelt sich entweder um die Situation „Car“, bei der 2 gelbe Ecken nach vorne zeigen und die anderen beiden nach hinten (wie die Front- und Rücklichter eines Autos, das auf einen zufährt).

F (R U R‘ U‘) (R U R‘ U‘) (R U R‘ U‘) F‘



Der Zug sieht komplizierter aus, als er ist: F, dreimal „Sexy Move“ und F‘.

Blinker (OLL 09)

Zweite Möglichkeit bei null gelben Ecken oben: Es ist „Blinker“ – dabei zeigen 2 gelbe ‚Lichter‘ nach links und die (rechten) anderen beiden seitlich nach außen (wie seitlich angebrachte Blinker am Heck eines Autos, das nach links fährt).

(f R U R‘ U‘ f‘) (F R U R‘ U‘ F‘)

 

 

Auch ganz einfach und schon bekannt (vom „gelben Kreuz“ und auch vom „Sexy Move“): erst „Fru-ruf“ mit kleinem f und dann nochmal mit großem F.

Beim einhändigen Cuben stört mich der Zug f (bzw. Fw), daher mache ich
stattdessen Sune + U‘ + Sune. Wenn ich nicht so lernfaul wäre, hätte ich
hierfür schon längst R U2 (R2 U‘ R2 U‘) R2 U2 R gelernt, was noch schneller geht.

Eine gelbe Ecke oben

Wenn sich 1 gelbe Ecke oben befindet, gibt es ebenfalls 2 Möglichkeiten. Entweder ist es „Sune“ oder „L-Sune“ bzw. „Anti-Sune“, also die gespiegelte Version:

Sune (OLL 07)

Bei „Sune“ hält man die gelb nach oben zeigende Ecke nach vorne links. Wenn dann bei der rechten vorderen Ecke die gelbe Fläche nach vorne zeigt, ist es Sune. Die beiden hinteren Ecken zeigen dann nach rechts und nach hinten, aber die braucht man gar nicht zum Erkennen.

Der Zug ist ja schon aus der Anfängermethode bekannt – wo er allerdings einem anderen Zweck dient (dem Ausrichten des gelben Kreuzes).

R U R‘ U R U2 R‘

Übrigens: Mit mehrfachem Sune (und einigen Drehungen der U-Ebene) lassen sich im Prinzip alle hier gezeigten Fälle lösen (nur dauerts dann halt länger). Wenn Ihr also mal einen bestimmten Zug nicht wisst: Erst einmal Sune machen (den kennt Ihr ja schon von der Anfängermethode). Bei Car und Bowtie mit U bzw. U‘ beginnen und dann erst Sune drehen. Und dann sieht man gleich, wie es weitergeht. Mehr dazu im Artikel OLL-Vorbereitungszüge.

L-Sune (Anti-Sune) (OLL 08)

Der gespiegelte Fall – ich nenne ihn „L-Sune“, andere „Anti-Sune“, sieht so aus: Wenn man die Ecke, deren Gelb nach oben zeigt, nach vorne rechts hält, dann sieht man das Gelb der vorderen linken Ecke nach vorne zeigen. Schaut man – wie abgebildet – von schräg vorne auf die „gelbe Ecke“, sieht man sofort, ob es Sune oder L-Sune ist, indem man schaut, ob die rechte oder linke Nachbar-Ecke einem Gelb entgegenzeigt. Hier ist es also L-Sune, und der Zug ist die genaue Spiegelung des schon bekannten Sune:

L‘ U‘ L U‘ L‘ U2 L

Wer die Links-Drehungen nicht mag (zum Beispiel beim einhändigen Cuben mit der linken Hand), der kann statt dieser Version von Anti-Sune auch die Rückwärts-Version des Sune-Zuges verwenden. Die „gelbe Ecke“ muss dann allerdings hinten rechts stehen, also:

R U2 R‘ U‘ R U‘ R‘

Zwei gelbe Ecken oben

Zeigen bereits 2 gelbe Ecken nach oben, so gibt es drei Fälle zu unterscheiden: Headlights, Chameleon und Bowtie.

Headlights (OLL 04)

Bei „Headlights“ stellen wir uns wieder ein Auto vor. Wir schauen frontal auf die Scheinwerfer (Headlights), aber der Wagen hat einen fetten Heckspoiler, dargestellt durch die beiden hinteren Ecken, deren Gelb schon nach oben zeigt.

(R2 D) (R‘ U2 R D‘) (R‘ U2 R‘)


Diesen Zug finde ich am unpraktischsten zu lernen. Aber die notierten Klammern helfen, dem Ganzen einen Rhythmus zu geben, und sooo schwer ist es ja nun auch wieder nicht.

Chameleon (OLL 05)

Das „Chameleon“ erkennt man daran, dass seine Augen nach außen zeigen und sein Schwanz nach oben. In Grundposition betrachten wir es von der linken Seite, sein „Kopf“ ist also links (und sein linkes Auge glotzt uns an), und rechts hat es seinen Heckspoiler, äh Schwanz. Damit ist auch schon die Verwechslungsgefahr mit Headlights genannt. Also: Wenn man die benachbarten gelben Ecken sieht, die entweder Schwanz oder Heckspoiler bilden, dann ist die nächste Frage: Schauen die beiden anderen Ecken wie Autoscheinwerfer nach vorne, oder wie Chamäleon-Augen zur Seite. Die „Chameleon“-Zugfolge geht dann so:

(r U R‘ U‘) (r‘ F R F‘)

 

Das Chamäleon beginnt quasi mit einer SexyMove-Variante, die aber ein kleines r hat, also die Mittelebene mitdreht.

Beim einhändigen Cuben stören hier die erweiterten R-Drehungen (r bzw. Rw). Ich helfe mir mit Sune + U‘ + Rückwärts-Sune. Vielleicht sollte ich mir aber dies hier angewöhnen:

Ich könnte das Chamäleon auch so halten, dass es von mir wegläuft (siehe Bild rechts)
und dann (R U R D) (R‘ U‘ R D‘) R2 machen. Der geht natürlich auch sehr gut mit beiden Händen:


Bowtie (OLL 06)

Der dritte Fall heißt „Bowtie“, weil er von oben betrachtet angeblich an eine Krawatte bzw. „Fliege“ erinnert. Bei Bowtie zeigen zwei diagonal angeordnete Ecken mit Gelb nach oben. Wie bei Sune muss man nun die Ecke finden und nach vorne links stellen, bei der dann vorne rechts das Gelb nach vorne zeigt. Ist das nicht der Fall, steht die falsche der beiden gelben Ecken vorne links, und man muss die U-Ebene oder den ganzen Würfel um 180° drehen.

Die Zugfolge für „Bowtie“ lautet:

F‘ (r U R‘ U‘) (r‘ F R)


Sie erinnert sehr stark an Chameleon, nur dass ein F‘ vorangestellt ist, und dieses aber dann am Ende fehlt.

Auch hier stören die erweiterten r-Moves z.B. beim einhändigen Lösen. Daher habe ich noch eine andere Version im Angebot, die ohne solche Züge auskommt. Dafür muss man die Oberseite aber so halten wie rechts gezeigt. Und dann:

(R U2 R D) (R‘ U2 R D‘) R2


Dies ist übrigens die Rückwärts-Version von Headlights. Bowtie und Headlights sind also stärker verwandt, als man ihnen dies ansieht.

Weiter mit Fridrich

Um den Würfel komplett mit Fridrich zu lösen, braucht man jetzt nur noch PLL (Permutation of the Last Layer), also das Sortieren der gelben Steine. Das ist Thema des nächsten Artikels. Es sind zwar insgesamt 21 verschiedene Algorithmen, aber keine Angst – einige könnt Ihr schon (echt jetzt, wenn Ihr meine Anfängermethode könnt, könnt Ihr schon die A-Perms, den E-Perm und sogar den H-Perm), und außerdem braucht man ganz am Anfang eigentlich nur 1 oder 2 weitere Perms. Je nach Lernfleiß kann man sich also Wochen oder Jahrzehnte Zeit lassen, bis man Full PLL beherrscht und mit jedem neuen PLL-Algo schneller und schneller wird, sobald dieser besser sitzt.

Zum schrittweisen Umstieg von der Anfängerlösung auf Fridrich kann man also nach Erstellen des gelben Kreuzes schauen, ob es ein bereits schon gelernter OLL-Fall ist. Kommt z.B. der Sune-Fall, könnt Ihr sofort OLL fertig machen, denn Sune kennt Ihr ja schon von der Anfängerlösung.

Kommt also ein unbekannter OLL-Fall (zumindest den Namen zu erkennen könntet Ihr schon üben), macht Ihr weiter mit Anfängermethode und richtet das gelbe Kreuz aus, etc. Wenn aber ein bereits gelernter OLL-Fall vorliegt, macht Ihr diesen und dann mit den ersten Perms weiter; das wird im nächsten Artikel erklärt.

Und damit es nicht langweilig wird, sollte man natürlich auch schon die ersten beiden Ebenen mit F2L statt Ebene für Ebene lösen, wie in Teil 1 meiner Fridrich-Einführung beschrieben.

Abschließend noch ein Tipp für angehende Profis: Wer 2-Look-OLL gut beherrscht und zwar nicht auf Full-OLL umsteigen möchte, der könnte sich als nächstes die OLL-Fälle 3 und 11 bis 17 vornehmen, die dann angewendet werden, wenn gar keine Kante gelb zeigt. Denn das ist ja der ungünstigste Fall bei 2-Look-OLL, weil man bei diesen den doppelten Fru-Ruf machen muss (F R U R‘ U‘ F‘ + f R U R‘ U‘ f‘) statt nur einen.

Fridrich-Methode (CFOP): [F2L] [OLL] [PLL-Einführung] [PLL, alle Perms]

 

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