4x4x4, Speedcubing für Anfänger (Hoya-Methode)

Tutorial in 5 Schritten: [4 Centerfelder] [4 weiße Kantenpaare]
[2 Centerfelder] [8 Kantenpaare] [3×3-Teil und Parity]

Anfang 2018 habe ich bereits einen gemeinsamen Artikel zur Lösung des 4×4 und des 5×5 nach der Hoya-Methode, die ich auch Anfängern empfehle, geschrieben. Zunächst dachte ich, das sei eine gute Idee, beide Cubes zusammenzufassen. Während des Schreibens habe ich dann aber gemerkt, dass es doch an einigen Stellen unübersichtlich wird, das Ganze parallel für den 4×4 und den 5×5 zu erklären, denn ein paar Unterschiede gibt es doch, trotz grundsätzlich gleicher Methode. Deshalb gibt es nun jeweils einen eigenen Artikel (5×5 siehe hier). Fangen wir nun an mit dem 4×4:

In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie man den 4×4-Zauberwürfel – traditionell Rubik’s Master Cube oder Rubik’s Revenge genannt – löst.

Zwar hatte ich früher im alten Blog schon ein Anfänger-Lösungssystem als Video und als Spickzettel vorgestellt, doch inzwischen habe ich 5 Jahre mehr Erfahrung, und ich bin überzeugt, dass man auch als Anfänger gut mit der Hoya-Methode der Speedcuber zurechtkommt. Es ist nicht wirklich komplizierter, aber deutlich schneller. Dadurch, dass man erst die weißen Kanten alle auf die Unterseite bringt und sich danach erst auf die restlichen Kanten konzentriert, ist es auch strukturierter und damit gerade für Anfänger übersichtlicher.

Das Grundprinzip der Hoya-Methode ist außerdem gleich wie bei reinen Anfängermethoden: Reduktion des 4×4 (oder 5×5) auf einen 3×3. Wenn man alle Center und alle Kanten farblich sortiert hat, dreht man nur noch die Außen-Layer und kann ihn im Prinzip wie einen 3×3 lösen, von einzelnen Parity-Problemen mal abgesehen (die es aber bei Anfängerlösungen genauso gibt). Um das Lösen des 4×4 (oder 5×5) zu lernen, sollte man daher bereits in der Lage sein, den 3×3 sicher lösen zu können; egal ob mit Anfängermethode oder Fridrich, etc.

Ich werde nun zu den einzelnen Schritten jeweils einige Erklärungen abgeben. Aber die Details entnehmt Ihr bitte dem Video zum jeweiligen Abschnitt.

Grundsätzliches

Der 4×4-Zauberwürfel hat – wie alle geradzahligen Cubes, also auch 6×6, 8×8, etc. – keinen festen Mittelstein auf jeder Seite. Daher kann man die Center der ersten Farbe hinlegen, wo man möchte. Ab dem zweiten Centerfeld muss man dann aber darauf achten, dass es richtig in Bezug auf das Erste steht.

Da auf den äußeren Layern die Ecken und Kanten sitzen, müssen pro Farbe 4 Center zusammengebracht werden. Wir haben also 6 Centerfelder a 4 Steinen, somit 24 Centersteine. Zunächst werden wir aber nur 4 der 6 Centerfelder lösen.

Bei der Hoya-Methode, wie ich sie anwende und auch Anfängern erkläre, gehen wir beim Lösen der Center nicht völlig farbneutral vor, sondern lösen den 4×4 in folgenden 5 groben Schritten:

Schritt 1: Vier Centerfelder lösen
(alle außer Gelb und ein angrenzendes Centerfeld)

  • Erstes Centerfeld lösen mit einer der seitlichen Farben auf dem Cube, also Rot, Grün, Orange oder Blau. Am besten mit einem beginnen, das schon teilweise fertig ist, weil es z.B. schon ein farblich passendes Centerpärchen gibt.
  • Das fertige erste Centerfeld jetzt nach unten halten und gegenüber liegend, also oben, das zweite Centerfeld lösen, mit der Gegenfarbe, die auch auf dem normalen 3×3-Würfel gegenüber ist. Wenn man z.B. mit Rot begonnen hat, dann kommt gegenüber Orange hin.
  • Nun werden die beiden gelösten Centerfelder rechts und links gehalten und als dritte Seite das dritte Centerfeld, weiß, gelöst.
  • Dann kommt das vierte Centerfeld, das auf einer Seite an die weiße Seite angrenzt. Wenn rechts und links z.B. Rot und Orange sind, dann entweder Blau oder Grün. An dieser Stelle muss man sehr aufpassen, dass man die richtige Farbe entsprechend dem Farbschema des Würfels wählt.

Schritt 2: Vier weiße Kantenpaare lösen (weißes Kreuz)

  • Nun drehen wir weiß nach unten und die beiden noch ungelösten Centerfelder halten wir so, dass sie vorne und oben sind. Jetzt werden auf der Unterseite nacheinander und in der richtigen Reihenfolge die Kantenpärchen mit weiß gebildet, also rot-weiß, grün-weiß, orange-weiß und blau-weiß.

Schritt 3: Die restlichen 2 Centerfelder lösen (Gelb und was übrig bleibt)

  • Das weiße Kreuz nun an den seitlichen Centern ausrichten. Um jetzt Platz zu schaffen für die beiden noch verbliebenen Centerfelder, machen wir folgenden Vorbereitungszug: F L.
  • Nun können die beiden verbliebenen Centerfelder sortiert werden. Wenn man oben gelb zusammenbaut, sollte vorne die verbliebene sechste Farbe automatisch übrig bleiben.
  • Mit L‘ F‘, also der Rücknahme des Vorbereitungszuges, werden die beiden in Sicherheit geparkten weißen Kantenpaare wieder an ihren Platz gebracht. Nun sind alle Center und die weißen Kanten korrekt.

Schritt 4: Die acht restlichen Kantenpaare lösen

  • Nun werden die restlichen 8 Kantenpaare gebildet – je nach persönlichem Fortschritt einzeln, paarweise, oder mit der 3-2-3-Methode.

Schritt 5: Wie ein 3×3 lösen, und wenn nötig
OLL-Parity und/oder PLL-Parity beseitigen

  • Jetzt sind alle Centerfelder und Kantenpaare korrekt, und der Cube kann wie ein 3x3x3 gelöst werden, indem man nur noch die äußeren Layer dreht.
  • Beim gelben Kreuz auf dem 4×4 bleibt in 50% der Fälle eine ungerade Zahl gelber Kantenpaare übrig. Dann hat man „OLL-Parity“ und kann mit einem bestimmten Zug ein einzelnes Kantenpaar wenden.
  • Ebenfalls in 50% der Fälle tritt am 4×4 „PLL-Parity“ auf, wenn z.B. am Ende nur 2 Ecken oder 2 Kantenpaare getauscht werden müssen. Auch dafür gibt es einen (recht einfachen) Algorithmus. Spätestens jetzt sollte der 4×4 gelöst sein.

Es klingt alles komplizierter als es ist. Ich werde die einzelnen Schritte noch ausführlich erklären und bebildern, sowie mit fresh gecubten Erklärbär-Videos garnieren. 😉

Schritt 1: Vier Centerfelder lösen

Zunächst werden die Center von 4 der 6 Seiten gelöst. Nur Gelb und eine angrenzende Seite lassen wir übrig für später.

1.1) Erstes Centerfeld lösen

Erst einmal nutzen wir die Inspektionszeit und überlegen, mit welcher seitlichen Farbe wir beginnen möchten. Also Rot, Grün, Orange oder Blau.
Und nicht Gelb oder Weiß, denn das sind ja die Farben der Ober- bzw. Unterseite.

Es bietet sich an, danach zu schauen, ob man schon irgendwo ein 2er-Pärchen von gleichfarbigen Centern entdeckt. Dann dieses auf die Oberseite stellen und schauen, wie man die anderen beiden Center dieser Farbe nebeneinander bekommt und dann als neues Paar neben das erste Paar stellen kann.

Hier im Beispiel beginnen wir mit Rot. Später solltet Ihr aber mit einer beliebigen der 4 genannten seitlichen Farben des Würfels beginnen, und zwar mit der, die möglichst günstig steht.

1.2) Zweites Centerfeld lösen

Wenn das erste Centerfeld fertig ist, drehen wir den Würfel so, dass es unten ist, und machen auf der Oberseite das Centerfeld mit der Gegenfarbe, die auch auf dem normalen 3×3-Würfel gegenüber ist. Wenn man z.B. mit Rot begonnen hat, dann kommt gegenüber Orange hin.

Dies ist jetzt nicht mehr ganz so einfach, denn wir müssen ja aufpassen, dass wir das Centerfeld auf der Unterseite nicht wieder zerstören. Aber mit dem üblichen „öffnen, reindrehen, schließen“ wie in der 3×3-Anfängermethode lässt sich auch hier einiges erreichen.

Wichtig: Immer dran denken, wenn Ihr „öffnet“ (mit Rw‘ oder Lw), gehen unten (und ggf. hinten) die bereits gelösten Centerfelder kurzfristig auseinander, bis Ihr wieder „schließt“ (mit Rw bzw. Lw‘). Also das Schließen besser nicht vergessen…

Im Video am Ende des Abschnitts wird dies deutlicher.

1.3) Drittes Centerfeld lösen (weiß)

Nun werden die beiden gelösten Centerfelder rechts und links gehalten und als dritte Seite das dritte Centerfeld, weiß, gelöst. Dadurch, dass wir die beiden fertigen Centerfelder rechts und links halten, gehen sie nicht kaputt, wenn wir den Würfel nun „wie ein Spanferkel“ um die waagerechte Achse rotieren und auch nur in dieser Richtung Wide-Turns machen (Rw, Lw, etc.).

1.4) Viertes Centerfeld lösen

Dann kommt das vierte Centerfeld, das auf einer Seite an die weiße Seite angrenzt. Wenn rechts und links z.B. Rot und Orange sind, dann entweder Blau oder Grün. An dieser Stelle muss man beim 4×4 sehr aufpassen, dass man die richtige Farbe entsprechend dem Farbschema des Würfels wählt. Wer nicht glaubt, dass Blau hier im Bild die richtige Farbe ist, der halte einen normalen (gelösten) Zauberwürfel so, dass Weiß oben und Rot links ist. Dann ist Blau vorne (und nicht Grün). Oder man betrachtet die weiß-blau-rote Ecke des Cubes, dann sieht man es auch.

Vier Center sind jetzt gelöst – die drei auf dem Bild sichtbaren und das orange Centerfeld gegenüber von Rot, also rechts auf dem Würfel. Die beiden fehlenden (hinten und unten) kommen später dran.

Hier nun das Video, das diesen Ablauf im Detail zeigt. Im Video seht Ihr nicht nur die 4×4-Version, sondern auch (ab Minute 16), dass der 5×5 genauso gelöst wird:

Nachdem nun 4 Centerfelder fertig gelöst sind, kommt nun der zweite Schritt:

Schritt 2: Vier weiße Kantenpaare lösen

Ab hier halten wir Weiß nach unten und die beiden noch nicht gelösten Centerfelder so, dass sie oben und vorne sind. Wir stellen eine der beiden rot-weißen Kanten unter das ungelöste Centerfeld der Vorderseite, und zwar so, dass ihre weiße Seite auf der Unterseite ist (und Rot somit vorne). Nun suchen wir die zweite rot-weiße Kante und stellen sie oben an die vordere Kante, also zwischen die ungelösten Center.

Keine Angst: Solange wir (außer bei Rw, Lw…) nur die äußeren Ebenen des Würfels drehen, um die Kanten zu positionieren, bleiben die Center unverändert.

Wenn der obere rot-weiße Kantenstein weiß nach vorne zeigt, ist das die günstigere Position, denn dann stehen die beiden Kanten schon farblich richtig zueinander, also in verschiedenen Ebenen.

Im links abgebildeten Fall machen wir U Rw U‘ Rw‘, also Kante links zwischenparken, dann rechts den Slot öffnen, Kante eindrehen und Slot wieder schließen.

Im Rechts abgebildeten Fall genau spiegelbildlich, also U‘ Lw‘ U Lw. Kante rechts zwischenparken, dann links den Slot öffnen usw.

In beiden Fällen wird die Kante beim ersten Zug möglichst zur weiter entfernt liegenden Seite gebracht, also gegenüber von dem Slot, der geöffnet wird. Das hat den Vorteil, dass man 2 Ebenen gleichzeitig drehen kann.

Würde man die Kante auf der anderen Seite zwischenparken, dann darf man beim Öffnen des Slots nur die innere Ebene drehen, weil sich sonst die zwischengeparkte Kante mit nach hinten dreht. Also:
Im links abgebildeten Fall U‘ r U r‘
Im rechts abgebildeten Fall U l‘ U‘ l

Nun bleiben noch die beiden Fälle, wo das Weiß des oberen Kantensteins nach oben zeigt. Das ist im Prinzip wie bei der weißen Ecke in der 3×3-Anfängerlösung: Wir brauchen einen Zwischenschritt, um sie zu wenden.

Im links abgebildeten Fall machen wir Rw U2 Rw‘, und dann weiter wie oben beschrieben, also mit U Rw U‘ Rw’.

Im rechts abgebildeten Fall machen wir Lw‘ U2 Lw, und dann weiter wie oben beschrieben, also mit U‘ Lw‘ U Lw.

Um sich den Zwischenschritt möglichst sparen zu können, achtet man mit der Zeit immer mehr darauf, beim Positionieren der oberen Kante diese möglichst gleich so zu stellen, dass ihre weiße Fläche nach vorne zeigt.

Wenn das erste Kantenpaar (rot-weiß) erstellt wurde, wird es mit D‘ auf die linke Seite gestellt und vorne ist nun Platz für das zweite Kantenpaar. Rechts von rot-weiß kommt nun grün-weiß.

Natürlich muss man beim Positionieren der grün-weißen Kanten darauf achten, das rot-weiße Kantenpaar links unten am Platz zu lassen.

Wenn grün-weiß fertig ist, wieder ein D‘, um Platz für orange-weiß zu machen. Und danach wieder für blau-weiß.

Nun müsste unten ein komplettes weißes Kreuz in der richtigen Anordnung stehen. Und nach wie vor sollten 4 der 6 Centerfelder geordnet sein, wenn Ihr immer schön brav die Kantenpaare nur unter den ungeordneten Centerfeldern gebildet habt.

Am besten das weiße Kreuz an den Centern ausrichten und mal einen kleinen Kontrollblick auf die Unterseite wagen. Das ist doch eine gute Basis für den letzten Hauptschritt, den 3×3-Lösungsteil.

Und hier das Video zu Schritt 2. Bis Minute 10 am 4×4, von Minute 10 bis 15 am 5×5:

Nun sind 4 der 6 Centerfelder und die weißen Kantenpaare gelöst. Weiter geht’s:

Schritt 3: Die restlichen 2 Centerfelder lösen

Das weiße Kreuz (wie gesagt) an den seitlichen Centern ausrichten. Um jetzt Platz zu schaffen für das Sortieren der beiden noch verbliebenen Centerfelder, machen wir folgenden Vorbereitungszug: F L. Dadurch werden die gelösten weißen Kanten in Sicherheit gebracht und man kann oben und vorne werkeln, ohne sich die weißen Kantenpaare wieder zu zerlegen.

Nun sortieren wir also die 4 gelben Centersteine nach oben. Im Prinzip läuft das genauso wie bei den früheren Centern. Wenn man oben gelb zusammenbaut, sollte vorne die verbliebene sechste Farbe automatisch übrig bleiben

Mit L‘ F‘, also der Rücknahme des Vorbereitungszuges, werden die beiden in Sicherheit geparkten weißen Kantenpaare wieder an ihren Platz gebracht. Nun sind alle Center und die weißen Kanten korrekt.

Und hier das Video zu Schritt 3 (4×4 und 5×5):

Weiter geht es mit den restlichen Kanten:

Schritt 4: Die acht restlichen Kantenpaare lösen

Das Lösen der verbliebenen 8 Kantenpaare verläuft beim 4×4 etwas anders als beim 5×5, obwohl sich die Techniken ähneln. Aber hier geht es ja um den 4×4:

Je nach persönlicher Erfahrung kann man die Kantenpaare einzeln, paarweise oder gar 3 zusammen lösen. Ich bemühe mich im Video zu Schritt 4, alle Varianten zu zeigen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mit diesem Video noch nicht wirklich zufrieden bin; das hätte doch etwas strukturierter sein können. Daher zunächst ein paar Anmerkungen und Tipps zum „Edge Pairing“:

Das wichtigste „Handwerkszeug“ sind folgende 3 Algorithmen:

  • Kante von oben nach rechts „vorwärts“ einbauen (also dass sie so steht, wie sie bei einer einfachen F-Drehung stehen würde, allerdings ohne Center und weißes Kreuz zu zerstören): F R‘ F‘ R
  • Kante von oben nach rechts „rückwärts“ einbauen (also so, dass sie genau andersherum steht): R U‘ R‘
  • Kanten-Flip rechts, also Wenden der Kante: R U R‘    F R‘ F‘ R

Von dem „Rückwärts“-Zug verwende ich auch gerne mal die gespiegelte Version L‘ U L oder wende ihn für die hinteren Slots so an: R‘ U R bzw. L U‘ L‘. Es ist nichts Anderes als „öffnen, reindrehen, schließen“ in den verschiedensten Variationen.

Wie man sieht, ist der Kantenflip nichts Anderes als eine Kombination der ersten beiden Züge: Zunächst wird der 2. Algo rückwärts angewendet, um die rechte Kante vorne auf die Oberseite zu bringen. Und dann wird sie mit dem 1. Algo vorwärts wieder versenkt.

Los geht’s. Folgende Möglichkeiten gibt es (und werden im Video gezeigt):

4×4: Kanten-Paare einzeln bilden

Die beiden zusammengehörenden Kantensteine werden rechts und links auf der Frontseite positioniert, und zwar so, dass sie diagonal stehen. Also einer auf der 2. Ebene von oben, der andere auf der 2. Ebene von unten.

Nun kann man sie mit Uw bzw. Uw‘ übereinander drehen (Center gehen dabei auseinander). Jetzt das nun gelöste Pärchen mit „öffnen, reindrehen, schließen“ durch eine ungelöste Kante ersetzen. Danach nimmt man den Uw- bzw. Uw‘-Zug wieder zurück, damit die Center wieder okay sind.

Alternativ kann man auch erst die Center mit Uw bzw. Uw‘ öffnen und dann die Kante mit dem farblich passenden Stück von der Oberseite so einbauen, dass das neue Pärchen beim Schließen der Center entsteht.

Wenn alle 4 „Parkplätze“ für gelöste Kantenpärchen auf der Oberseite besetzt sind, baut man 2 davon in die beiden hinteren Slots ein, so dass nochmal 2 ungelöste Kanten oben stehen.

4×4: Letzte 2 Kantenpaare lösen

Wenn nur noch 2 Kantenpaare ungelöst sind, müssen diese gleichzeitig gelöst werden, denn es gibt ja keine „freien Parkplätze“ mehr auf der Oberseite, also keine ungelösten Kanten zum Ersetzen eines Pärchens.

Daher werden die beiden Kanten nun so in die beiden vorderen Slots gestellt, dass die gleichfarbigen Steine nicht diagonal sondern gerade gegenüber auf der Vorderseite stehen. Dann macht man Uw‘ und den obigen Kanten-Flip und danach Uw. Komplett also:

Uw‘ (R U R‘   F R‘ F‘ R) Uw

4×4: Jeweils 2 Kanten-Paare lösen

Effektiver als jedes Pärchen einzeln zu bilden ist es natürlich zu lernen, die Kanten paarweise zu lösen. Wer ausreichend gut Englisch kann, lässt es sich am Besten vom Weltmeister erklären: Cubeskills, 2 Edge Pairing, denn meine Erklärungen hierzu sind in meinem folgenden Video doch seeehr dürftig. Wenn Ihr seht, wie oft die von Feliks Zemdegs vorgestellte Anfängermethode den Würfel auf den Kopf stellt, dann versteht Ihr vielleicht, wieso ich meine, auch als Anfänger sollte man lieber die Hoya-Methode lernen (oder die von Feliks bevorzugte Yau-Methode, die recht ähnlich ist, aber für Anfänger vielleicht doch nicht ganz so gut geeignet).

Um 2 Kanten quasi gleichzeitig zu lösen, werden im Prinzip die beiden oben genannten Schritte kombiniert: Man erstellt das eine Pärchen beim Öffnen der Center, aber man holt es nicht durch Einsetzen einer beliebigen ungelösten Kante auf die Oberseite, sondern man setzt genau die Kante ein, die beim Schließen der Center das zweite Pärchen bildet.

4×4: Die 8 Kanten mit der 3-2-3-Methode lösen

Dies ist der Königsweg, um die 8 verbliebenen Kantenpärchen zu bilden. Zunächst werden gleichzeitig 3 Pärchen gelöst, dann 2, und zum Schluss die noch verbliebenen 3 Pärchen. Jedenfalls ist das der prinzipielle Aufbau. Da es aber z.B. sein kann, dass anfangs schon zufällig ein gelöstes Pärchen da ist, kommt es nicht immer genau bei 3-2-3 raus. Dies zeigt Feliks Zemdegs hier auf Englisch, aber in meinem Video wird es hoffentlich auf Deutsch auch einigermaßen deutlich. Allerdings fehlt bei mir eine Erklärung der manchmal auftretenden Sonderfälle. Vielleicht mach ich das Video demnächst noch einmal neu…

Hier nun mein ziemlich mittelmäßiges Video über das Lösen der letzten 8 Kanten auf dem 4×4 (bis Minute 15) und auf dem 5×5:

In 25% aller Fälle kann man den 4×4 nun wie einen 3×3 lösen. Oft aber kommt es zu 1 oder 2 Parities:

Schritt 5: Wie ein 3×3 lösen, und wenn nötig
OLL-Parity und/oder PLL-Parity beseitigen

Der 4×4 wird nun wie ein 3×3 gelöst. Mit Erreichen der dritten Ebene ist erkennbar, ob es zu Parities kommt.

OLL-Parity

Zur Erinnerung: Wenn auf dem 3×3 die unteren beiden Ebenen gelöst sind, zeigen entweder 0 oder 2 oder 4 gelbe Kanten nach oben. Sollten es 1 oder 3 gelbe Kanten sein, dann ist der Würfel falsch zusammengebaut und somit unlösbar.

Auf dem 4×4 kommt es allerdings in 50% der Fälle vor, dass es 1 oder 3 gelbe Kantenpaare gibt, die nach oben zeigen. Dann haben wir OLL-Parity und müssen dies erst beseitigen, bevor wir den 4×4 wie einen 3×3 lösen können.

Leider ist der OLL-Algorithmus etwas kompliziert. Ich zeige Euch zwei verschiedene; sucht Euch einen aus. Ich bin von dem ersten mittlerweile auf den zweiten umgestiegen. Jedenfalls geht es freundlicherweise mit quasi dem gleichen Algorithmus auf dem 4×4 und dem 5×5. Man muss also nur einen lernen. Das Kantenpaar, das gewendet werden soll, steht wieder vorne auf der Oberseite und dann z.B. diesen hier:

(r2 B2 U2 l) (U2 r‘ U2 r) (U2 F2 r F2) (l‘ B2 r2)

In dieser Form wendet er NUR das gelbe Kantenpaar. Wenn man aber die äußeren Ebenen mitdreht (Rw2, Lw, etc.), dann dreht es sich einfacher, aber einige andere (noch nicht gelöste) Ecken und Kantenpaare bewegen sich ebenfalls:

(Rw2 B2 U2 Lw) (U2 Rw‘ U2 Rw) (U2 F2 Rw F2) (Lw‘ B2 Rw2)

Eleganter auszuführen finde ich folgenden Algo, denn er hat keine B-Drehungen:

(Rw U2 x) (Rw U2 Rw U2) (Rw‘ U2 Lw U2) (Rw‘ U2 Rw U2) (Rw‘ U2 Rw‘)

An der rot markierten Stelle steht in der Version für den 5×5-Cube 3Rw’ – man muss also die Mittelebene mit greifen. Zwar geht es hier um den 4×4. Aber wer den Algo neu lernt, sollte sich vielleicht trotzdem schon diese Stelle einprägen.

PLL-Parity

Ebenfalls in 50% der Fälle kommt es auf dem 4×4 (und auf dem 6×6, 8×8…) vor, dass beim Positionieren der Kantenpaare bzw. Ecken auf der Oberseite eine Situation übrig bleibt, die auf dem 3×3 unmöglich wäre. Dies können sein:

  • 2 gegenüber stehende Kanten vertauscht, oder
  • 2 nebeneinander stehende Kanten vertauscht, oder
  • 2 Ecken vertauscht

Mit dem folgenden Algorithmus löst man den ersten Fall. Die beiden Kanten müssen auf der Oberseite vorne und hinten stehen, dann werden sie getauscht:

r2 U2   r2 Uw2   r2 u2

Wichtig: r2 bezeichnet hier immer NUR die Drehung der inneren Ebene, also ohne die Außenebene. Nach dem ersten r2 wird die oberste Ebene um 180° gedreht, nach dem zweiten r2 die beiden oberen Ebenen und nach dem dritten r2 nur die zweitoberste Ebene (was man ganz gut ausführen kann, wenn man Uw2 + U2 dreht).

Mit dem gleichen Algo löst man auch die anderen Fälle. War die obere Ebene zuvor mit 3×3-Zügen unlösbar, ist sie jetzt lösbar. Und umgekehrt. 🙂

Im Prinzip reicht dies zum Lösen. Aber man kann dies noch ein wenig abkürzen:

Hat man den Fall, dass die beiden zu tauschenden Kanten nebeneinander stehen, kann man es auch gleich komplett erledigen, indem man den Sexy Move als Vorbereitungszug macht, dann den PLL-Parity-Zug und dann den Sexy Move wieder rückwärts:

R U R‘ U‘ + (r2 U2 r2 Uw2 r2 u2) + U R U‘ R‘

Im dritten Fall, bei dem ausschließlich 2 Ecken vertauscht sind, kann man den Parity-Zug quasi zwischen den beiden vertauschten Ecken anwenden und dann hat man die Ausgangssituation für einen T-Perm:

(R U R‘ U‘) (R‘ F R2) (U‘ R‘ U‘) (R U R‘ F‘)

Komplett also: Vertauschte Ecken nach vorne auf der Oberseite halten und dann:

(r2 U2 r2 Uw2 r2 u2) + y‘ + (R U R‘ U‘) (R‘ F R2) (U‘ R‘ U‘) (R U R‘ F‘)

Natürlich geht es auch umgekehrt: Erst aus den getauschten Ecken mit dem T-Perm getauschte Kantenpaare machen und diese dann mit dem PLL-Parity-Algo lösen.

Im Video wird dies hoffentlich deutlich:

So, das war’s für den 4×4. Nicht perfekt, ich weiß. Aber gerne könnt Ihr mir die noch unklaren Punkte in die Kommentare schreiben. Nicht nur, dass ich dort Fragen gerne beantworte. Auch wäre es eine Hilfe, wenn ich insbesondere die beiden letzten Videos vielleicht verbessert neu aufnehmen sollte.

Jedenfalls wünsche ich Euch viel Spaß mit dem 4×4.

PS: Im folgenden Video gibt es ein paar Beispiel-Solves auf dem 4×4 nach diesem Lösungsweg. Im ersten Durchgang zeige ich das einzelne Lösen der 8 Kanten, im zweiten Durchgang das paarweise Lösen (mit OLL-Parity) und im dritten Durchgang das Sortieren der 8 Kanten mit der 3-2-3-Methode (mit OLL- und PLL-Parity). Danach folgt noch ein vierter Durchgang, etwas flotter (und ohne Parity):

Ich hoffe, damit sind alle Klarheiten beseitigt. 🙂

Für Fragen, Anregungen und frustriertes Gemecker gibt es den unten folgenden Kommentarbereich.

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18 Responses to 4x4x4, Speedcubing für Anfänger (Hoya-Methode)

  1. Maik sagt:

    Hi Roland..
    ich beschäftige mich nun schon seit ein paar Tagen mit den 5×5 und dem 4×4. Bis zu dem Schritt „die restlichen 8 kantenpaare“ lösen komm ich super klar, aber dann versage ich immer.
    Du sagst ja:“wenn auf der Oberseite schon 4 Plätze für kantenpaare belegt sind, dann baue ich 2 auf der Rückseite ein“
    Jetzt wird es kompliziert.
    Ich habe 3 Kanten auf der Oberseite geparkt und versuche nun die 4. Kante dort zu parken. Drehe ich nun die neu gelöste Kante so, dass sie nach oben kommt, drehe ich ja eine Kante von der Unterseite an die Seite. Gleiches Spiel ist es da wenn ich versuchen würde die 2 auf der Rückseite zu parken. Kannst du verstehen was ich meine? Vielleicht hab ich ja irgendeinen Algo übersehen?

  2. ATLAS sagt:

    Die gesuchte Stelle befindet sich im Video 4×4 (und 5×5), Speedcubing für Anfänger, Teil 5 (3×3-Teil, Parity) bei ca. 9:00 Minuten.

    Ansonsten:
    Herzlichen Dank für deine Videos. Ich bin erst jetzt mit 56 dazu gekommen und habe diesen Würfel stets als unlösbares Gerät betrachtet. Dank deiner Erklärungen aber habe ich mir eine Sortiment zugelegt und habe Spass daran. Auf deine Seite bin ich übrigens aus anderen Gründen gekommen. Ich habe zu Weihnachten ein Meffert’s Egg bekommen und wochenlang daran herum gedreht. Geholfen hat dann ein spanisches Video und daraus resultierend bei der Suche bin ich hier gelandet.

    Ein schönes Hobby, aber ohne meine Skizzen geht gar nichts. So tief steige ich dann doch nicht ein. 🙂

    Meinen Dank nochmals.

  3. Thomas S. sagt:

    Roland ich hätte eine Frage. In irgendeinem Deiner 4×4 Videos hattest Du den Fall das Du am Ende 2 diagonal vertauschte Ecken hast. Dann hast Du einen Setup-Move gemacht um das dann nach dem Parity mit dem T-Perm zu beenden und dann den Setup-Move wieder zurück.

    Ich finde das nicht mehr. Kannst Du mir sagen in welchem Video das ist bzw. welchen Setup-Move Du dafür nimmst?

    B’ D2 R’ D R B ? Ich dachte bei Dir im Video da was einfacheres gesehen zu haben.

    • Roland sagt:

      Hi Thomas, leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Wenn NUR noch 2 diagonal gegenüberstehende Ecken auf der oberen Ebene vertauscht sind, dann könnte man z.B. einen Y-Perm machen und hat dann 2 benachbarte Kanten vertauscht. Dann Sexy-Move und den PLL-Parity-Alg (+ Sexy Move rückwärts).
      Oder man macht den PLL-Parity-Alg zuerst und hat dann einen N-Perm vor sich.
      Setup + T-Perm halte ich nicht für so eine wirklich gute Idee. Auch nicht, falls sie tatsächlich von mir war. 😉
      LG, Roland

  4. Thomas S. sagt:

    Danke für den Algo zum Kanten-Flip. Ich habe den 4x4x4 anhand des Buchs “Secret tutorial for magic cubes” von QiYi MoFangGe gelernt aber der Algo um die eine Kante zu flippen ist dort wahnsinnig kompliziert:
    TR2 B2 U2 TL U2 TR’ U2 TR U2 F2 TR F2 FL’ B2 TR2 (Schreibweise leicht anders, die verwenden statt einem w ein T)
    Den fand ich unheimlich schlecht zu lernen / merken und hab den nicht auswendig hin bekommen.

    Deine “längere’ Alternative
    (Rw U2 x) (Rw U2 Rw U2) (Rw‘ U2 Lw U2) (Rw‘ U2 Rw U2) (Rw‘ U2 Rw‘)
    hatte ich hingegen nach ein paar mal drehen drauf. Heut Abend und Morgen nochmal wiederholen dann sitzt der!

    Btw: Kennst Du dieses kleine Büchlein eigentlich? Wenn Du Interesse hast kann ich Dir ein Exemplar kostenlos zukommen lassen. Schick mir einfach ne Email falls Interesse besteht.

    • Roland sagt:

      Hi Thomas, freut mich, dass ich helfen konnte. Auf ein Buch mit sinnloser Alternativ-Notation schlecht ausführbarer Algorithmen verzichte ich allerdings gerne. 😎
      Gruß, Roland

  5. Michael sagt:

    Bei Schritt 4 wären noch, wie bei den anderen Schritten, die passenden Bilder wünschenswert. Als Anfänger macht man das sonst sehr leicht falsch.

    • Roland sagt:

      Hi Michael, Du hast recht, dass es bei Schritt 4 etwas “kahl” aussieht. Ich hoffe, das Video macht es dennoch klar. Ist ein bischen unübersichtlich, das mit Bildern zu verdeutlichen, ohne mehr zu verwirren als zu helfen.
      LG, Roland

    • Thorsten sagt:

      Hi Roland,

      super Tutorial!
      Ich habe nur ein Problem:
      Alle Center sind gelöst, alle Kantenpaare sind am Start!
      Ich bekomme es nur nicht hin, die weißen Ecksteine UND die passenden benachbarten Kanten gleichzeitig zu lösen!
      Dh., ich setze Eckstein Weiß/Blau/Rot an seine Stelle. Wenn ich Kante Blau/Rot reinsetzen will ist der WEckstein wieder weg… und das bei allen Ecken und Kanten.
      Habe ich irgendwo was übersehen?

      MFG
      Thorsten

      • Roland sagt:

        Hi Thorsten, wenn Du alle Center und Kanten gelöst hast, dann ist es ein normaler 3×3 (bis auf die Parity-Fälle, die noch auftreten können). Und solange Du NUR die äußeren Layer bewegst, KÖNNEN die Center und Kanten gar nicht mehr durcheinander geraten. Wenn Du also bei der 2. Ebene auf einmal wieder Kanten und/oder Center vermischt hast, dann hast Du garantiert nicht nur die äußeren Ebenen bewegt.
        Ich hoffe, dies hilft Dir, Dein Problem herauszufinden. Viel Spaß mit dem 4×4.
        LG, Roland

  6. Tilmann sagt:

    Hi Roland,
    super Anleitungen hier! Ich kämpfe mich gerade erstmals durch den 4x4x4er Würfel, da sind Deine Erklärungen in Text + Video die Rettung.
    Für die meisten Erfahrenen spielt es wahrscheinlich keine Rolle, aber Anfänger wie ich könnten darüber stolpern, dass im Schritt 2 die Notation einen Fehler enthält:
    “Im links abgebildeten Fall machen wir Rw U2 Rw‘, und dann weiter wie oben beschrieben, also mit U Rw U‘ R.”
    -> müsste heißen “also mit U Rw U’ Rw’.”, sonst wird ja nur die rechte Seite weiter, statt die rechten beiden Seiten zurück gedreht.
    Für den rechts abgebildeten Fall stimmt der Text dann wieder.
    Du kannst gerne nach der Korrektur der Anleitung meinen Kommentar löschen, er wird ja dann ausgedient haben.

    • Roland sagt:

      Hi Tilmann, herzlichen Dank für den Hinweis. Da stand tatsächlich nur R, wo doch Rw’ hingehört. Ist nun korrigiert.

      Wenn Du drauf bestehst, lösch ich den Kommentar auch wieder. Aber wo soll ich dann meinen “herzlichen Dank” lassen? Ich würde ihn daher lieber online lassen, dann sehen Andere auch, dass ich durchaus kritikfähig bin und Fehler korrigiere. 0:-)

      Viel Erfolg mit Hoya-4×4.
      Gruß, Roland

  7. speedcube247 sagt:

    Hallo Roland,
    Mir ist noch nicht klar geworden,
    Wie man bei der oberen Ebene die Kantensteine vertauscht.

    • Roland sagt:

      Hi, mir ist nicht klar geworden, was Du mit Deiner Frage meinst? 2 Kanten-Paare tauschen? Das steht ja oben beschrieben, PLL-Parity.
      Oder 2 benachbarte Kantensteine tauschen (die dadurch auf dem Kopf landen)? OLL-Parity, steht auch oben.
      Oder was möchtest Du tauschen? Bei welchem Schritt? Wenn Du die Frage etwas präzisierst, kann ich vielleicht helfen…
      Gruß, Roland

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