Rubik’s Clock lösen

Nachdem ich ja inzwischen stolzer Besitzer der schönsten und lautesten Rubik’s Clock der Welt bin 😉 wird es Zeit, die Lösung dieses Zahnrad-Albtraums zu schildern.

Im Grundsatz gibt es wohl nur einen Lösungsweg, den ich schon in einem Buch von 1988 vorliegen habe. Aber natürlich gibt es kleinere Varianten und Abkürzungen. Die Clock zu lösen, habe ich nach dem Clock-Tutorial von Stefan Pochmann gelernt, so dass der hier beschriebene Lösungsweg wohl diesem ziemlich genau entspricht. Selbst ein Senior-Cuber wie ich erreicht mit diesem Weg schon bald Zeiten unter 20 Sekunden.

Grundsätzliches

Rubik’s Clock (und ihre Nachbauten) zeigen auf jeder Seite 9 Uhren mit jeweils einem Zeiger, die im gelösten Zustand alle auf die 12 des jeweiligen Zifferblatts zeigen. Die vier an den Ecken stehenden Uhren lassen sich von außen mit dem Finger verdrehen.

Zwischen den Uhren finden sich 4 Pins, die sich hereindrücken bzw. von hinten nach vorne herausdrücken lassen. Sie entscheiden, welche Uhren sich mitdrehen.

Um das Räderwerk sinnvoll lösen zu können, sollte man folgende zwei Grundregeln wirklich beherzigen:

  1. Darauf achten, wo die „12“ der Zifferblätter zu finden ist. Hat man am Ende alle Zeiger auf der 3 oder 6 oder 9 stehen, sieht es zwar auch sehr schön geordnet aus, gilt aber nicht als gelöst.
  2. Beim Lösen immer nur an den Ecken drehen, bei denen der Pin gezogen ist, also nach vorne herausragt. Ansonsten verstellt man sich nämlich die Rückseite, was ziemlich unpraktisch ist.

Untersucht man die Uhren und die Pins näher, so stellt man fest, dass bei den Ecken-Uhren die Vorder- und Rückseite fest verbunden sind, während sich die 5 anderen Uhren, die zusammen ein Kreuz bilden, auf Vorder- und Rückseite unabhängig voneinander einstellen lassen.

Dreht man an einer Uhr mit gezogenem Pin, dann drehen sich alle Uhren mit, die an diesen Pin angrenzen. Sind mehrere Pins gezogen, drehen sich auch die dort jeweils angrenzenden Uhren mit. Im Artikel Rubik’s Clock magnetisieren zeige ich ein paar Fotos der geöffneten Clock; dort kann man erkennen, warum dies so ist.

Und nun kann es losgehen:

Vorderseite: Kreuz lösen

Der folgende Lösungsweg ist im Prinzip immer der Gleiche. Es kann zwar sein, dass man mal einen Schritt überspringen kann, weil die nächste zu bearbeitende Uhr zufällig schon passend steht. Aber es lohnt sich zumindest für den Anfänger nicht wirklich, von dem Lösungsweg abzuweichen. Und der geht in Kurzfassung so: Die 5 Uhren des Kreuzes auf der Vorderseite lösen, dann Uhr umdrehen, die 5 Uhren des zweiten Kreuzes synchronisieren und dann jeweils mit den Ecken abgleichen.

Zunächst kann man sich überlegen, ob man auf der Seite mit den hellen oder dunklen Uhren beginnen möchte. Das ist im Prinzip egal, aber je nach Stellung der Pins und der mittleren Uhr im Vergleich zur Uhr darüber kann es schon einen kleinen Zeitvorteil bringen, wenn man darauf achtet. Jetzt die 12 nach oben, und los gehts:

Zunächst wird der untere linke Pin gezogen und die mittlere Uhr so eingestellt, dass sie die gleiche Zeit zeigt, wie die darüber befindliche Uhr.

Dabei natürlich nur unten links drehen – dort, wo der Pin nach vorne zeigt. Die anderen 3 Pins sollten versenkt sein.

Falls es zufällig so sein sollte, dass der Pin unten rechts aktiv ist, kann man auch mit diesem (also dann dem unteren rechten Rad) die mittlere Uhr auf die Zeit der oberen Uhr einstellen.

Nun wird der untere Pin versenkt und der Pin oben rechts aktiviert, also gezogen. So kann man durch Drehen oben rechts die beiden ersten Uhren mit der nächsten Uhr – die linke Uhr des Kreuzes – synchronisieren.

.

Jetzt den Pin oben rechts ausschalten und den Pin oben links einschalten. Die 3 bereits gleich stehenden Uhren können jetzt auf die Zeit der unteren Uhr des Kreuzes eingestellt werden.

.

Als nächstes den unteren linken Pin zusätzlich aktivieren. Damit sind die 4 synchronen Uhren gekoppelt und können mit der linken Hand auf die Zeit der rechten Uhr des Kreuzes eingestellt werden.

.

Nun den oberen rechten Pin zusätzlich aktivieren, und schon können alle 5 Uhren des Kreuzes an einem der aktiven Pins gemeinsam auf 12 Uhr gestellt werden.

Damit ist die erste Seite so weit wie nötig gelöst. Die noch fehlenden Ecken-Uhren sind ja (wie oben beschrieben) fest mit der Rückseite verbunden; sie werden also auch hier gelöst sein, wenn wir sie auf der zweiten Seite lösen. Nun kann also die Clock (um die senkrechte Achse) gewendet werden.

Rückseite: Kreuz lösen

Die Vorgehensweise auf der zweiten Seite ist zunächst genau wie auf der ersten Seite. Praktischerweise stehen auch die Pins schon so, dass man gleich weiter machen kann, denn der untere linke Pin sollte schon aktiv sein, um mit dem zugehörigen Rad die mittlere Uhr wieder auf die Zeit der oberen Uhr einzustellen.

Tipp: Wer sich während der Inspektionszeit vor dem Lösen schon merkt, wie diese beiden Zeiger stehen (hier also „von 7 auf 8“), der kann gleich losdrehen, noch bevor die Augen die Zeiger überhaupt interpetiert haben.

Nun wird auf den Pin schräg gegenüber gewechselt, so dass die beiden schon synchronen Uhren jetzt auf die Zeit der dritten Uhr – die linke Uhr des Kreuzes – eingestellt werden können.

.

Wie schon vorhin auf der Vorderseite kommt jetzt der Pin oben links dran, so dass die 3 Uhren auf die Zeit der unteren Uhr des Kreuzes eingestellt werden können.

.

Jetzt wird auch der zweite Pin auf der linken Seite aktiviert, damit die 4 zeitgleichen Uhren des Kreuzes gemeinsam auf die Zeit der rechten Uhr des Kreuzes eingestellt werden können.

Bis hier ist die Lösung der Rückseite also exakt gleich wie die Schritte auf der Vorderseite.

Rückseite: Ecken lösen

Nun wird der Pin oben rechts zusätzlich aktiviert, um das gesamte Kreuz gemeinsam verstellen zu können.

Allerdings wird das synchronisierte Kreuz jetzt nicht auf die 12 eingestellt, sondern auf die Zeit der unteren rechten Uhr. An welchem der drei aktiven Pins Ihr dreht, bleibt Eurem eigenen Drehgefühl überlassen.

Wenn alle Pins bis auf einen Pin gezogen sind, dann verändern sich 8 der 9 Uhren und nur die an dem ausgeschalteten Pin bleibt stehen. So können jetzt reihum die Ecken mit dem Kreuz synchronisiert werden.

Als nächstes wird der untere rechte Pin aktiviert (damit die untere rechte Uhr synchron mit dem Kreuz mitläuft) und dafür der untere linke Pin deaktiviert. Jetzt also die synchronen Uhren auf die Zeit der unteren linken Uhr einstellen.

Nun also den Pin unten links aktivieren und dafür den Pin oben links deaktivieren. Und die immer größer werdende Herde synchroner Uhren auf die Zeit der Uhr am abgeschalteten Pin einstellen.

Bleibt noch eine Ecke: Pin oben links einschalten, dafür oben rechts ausschalten. Und die 8 verbundenen Uhren auf die Zeit der oberen rechten Uhr einstellen.

.

Jetzt das Finale: Den vierten Pin noch dazuschalten und schon lassen sich alle 9 Uhren gemeinsam auf 12 Uhr drehen. Fertig! Die Clock ist gelöst. Herzlichen Glückwunsch!

Ein Blick auf die Rückseite (also die ehemalige Vorderseite) zeigt, ob auch dort alles stimmt. Wenn Ihr schön brav wart und immer nur an den gezogenen (aktiven) Pins gedreht hat, müsste die Clock auf beiden Seiten gelöst sein:

Clock: Notation

Abschließend noch eine kurze Einführung in die Notation, denn die Clock mischt sich m.E. besser, wenn man sie nicht „frei“ vermischt („hand scramble“), sondern sich den Scramble z.B. in einer Timer-App anzeigen lässt. Rechts seht Ihr den TwistyTimer-Screenshot meiner bisherigen inoffiziellen Bestzeit samt dem Scramble für den nächsten Versuch. Und der liest sich so:

Die Pins werden wie folgt benannt:

  • UR = Upper Right, also oben rechts
  • DR = Down Right, also unten rechts
  • DL = Down Left, also unten links
  • UL = Upper Left, also oben links

Wenn da nur U oder R oder D oder L steht, dann werden die beiden Pins oben, rechts, unten oder links aktiviert.

ALL bedeutet, dass alle Pins aktiv sind. Und y2 steht für das Wenden der Clock entlang der senkrechten Achse.

Die Zahl mit – oder + zeigt an, wie weit die Clock mit dieser Pin-Stellung bewegt werden soll, also z.B. 3- für 3 Stunden rückwärts (früher) oder 2+ für 2 Stunden vorwärts (später).

Am Ende steht, welche Pins gezogen (also aktiv) sein sollen.

Die Scrambles folgen immer dem gleichen Aufbau; also werden auch Pins angegeben, die diesmal gar nicht verdreht werden. Der oben angegebene Scramble bedeutet also:

  • UR0+ DR2+ DL3+ UL5+
    (UR diesmal auslassen), DR aktivieren und 2 Stunden vor, dann nur DL aktivieren und 3 Stunden vor, dann UL und 5 Stunden vor.
  • U2- R3- D0+ L0+ ALL2-
    Beide Pins oben aktivieren und 2 Stunden zurückstellen, dann beide Pins rechts und 3 Stunden zurück, Pin-Stellung D und L diesmal auslassen, dann alle Pins aktivieren und 2 Stunden früher stellen.
  • y2
    Clock wenden (dabei die 12 oben lassen)
  • U4- R2+ D5+ L1-
    Beide Pins oben aktivieren und 4 Stunden zurück, dann beide Pins rechts und 2 Stunden vor, dann beide Pins unten und 5 Stunden vor, dann beide Pins links und 1 Stunde zurück.
  • ALL5+ UR
    Alle Pins aktivieren und 5 Stunden später stellen. Abschließend nur den Pin UR aktiv lassen, also die anderen 3 wieder reindrücken.

Ob Ihr richtig gescrambelt habt, seht Ihr übrigens im Twisty-Timer an der Abbildung, die sich auch durch Anklicken vergrößern lässt.

Es sieht schwerer aus als es ist. Schon bald hat man sich an diese Notation gewöhnt, und dem Aufrücken in die Top 100 der deutschen Uhrenverdreher steht nichts mehr im Wege. 🙂

 

Dieser Beitrag wurde unter Zauberwürfel, Zauberwürfel-Lösungen abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.