SpeedCubing für Damen

Seit vielen Jahren organisiert die World Cube Association regionale, nationale und weltweite Speedcubing-Wettbewerbe, für die sich hunderte Freiwillige ehrenamtlich engagieren, Männchen und Weibchen. Derzeit allerdings meint ein Hersteller von zuckrigen Aufputschgetränken, er müsse Speedcubing neu erfinden und ebenfalls eine World Championship abhalten.

Das kann man gut finden, muss man aber nicht. Ich bin mal gespannt, wie sich das auf die WCA-Wettbewerbe auswirken wird – auf das ehrenamtliche Engagement, auf die Wahrnehmung des Speedcubing als eine Sportart, etc. Das Event auch „World Championship“ zu nennen, wenn es schon eine World Championship gibt, finde ich ehrlich gesagt dreist. Aber nun gut. Namhafte Speedcuber unterstützen die neuen Events; da werde ich mich als Slowcuber und Neuling zurückhalten mit Kritik.

Was mich aber wirklich irritiert ist eine Kategorie bei den Zuckerwasserchampionships: Ein sogenannter „Female Track“, bei dem die besten Speedcuberinnen gegeneinander antreten. Ein separater Wettbewerb für Mädchen/Frauen? Wozu?

In Sportarten, wo es aufgrund der unterschiedlichen Biologie von Männern und Frauen generelle Leistungsunterschiede gibt, verstehe ich ja separate Wertungen. Kraft und Ausdauer sind nunmal geschlechtsspezifisch unterschiedlich. Aber beim Speedcubing? Sind die Damen weniger schnell, weniger intelligent? Natürlich nicht. Haben sie wegen mehr Hausarbeit weniger Trainingszeit 😉 oder aus welchen Gründen meint der Veranstalter, die Damen bräuchten eine eigene Wertung? In Zeiten von Gleichberechtigung und Genderdebatten frage ich mich, was das soll. Es klingt für mich nach 19. Jahrundert. Da es beim Speedcubing keine geschlechtsspezifischen Nachteile für Frauen gibt, finde ich einen Female Track sinnlos, wenn nicht sogar diskriminierend.

Natürlich hat der Veranstalter zu diesem Female Track Stellung bezogen, denn ich bin ja nicht der Einzige, dem das seltsam vorkommt:

20. Why do you have a separate competition for female in the Red Bull Rubik’s Cube World Championship? We want as many passionate players as possible – men and women – to be able to show off their skills in the Red Bull Rubik’s Cube World Championship. The Red Bull Rubik’s Cube World Championship features both a mixed track, where anyone of any gender can compete, and a female-only track. This is to encourage female cubers to take part in the tournament. Female cubers can choose if they want to participate in the female track, or in the mixed track or if they want to participate in both tracks.

21. How does the women’s competition work? The events will feature a separate ’Female Speedcubing Track’, for the fastest female cube solvers. It’s identical to the 1 vs. 1 knockout system as in the mixed Speedcubing track.

Eine grundsätzliche Antwort auf die Frage kann ich da nicht finden. Immerhin dürfen die Mädchen auch bei den Jungs mitspielen.

Wenn der Energiegetränkproduzent hier als Begründung anführt, man wolle so viele passionierte Teilnehmer wie möglich, dann schlage ich noch folgende „Tracks“ vor:

  • Retired Track (für Rentner ab 65)
  • Coloured Track (best non-white cubers)
  • Noncubers Track (wer kann am schnellsten die Sticker umkleben, um den Würfel zu lösen)
  • Colorblind Track (lösen den einfarbigen MirrorCube)

Der zweite Punkt entspricht eigentlich dem Female Track, oder? Er unterstellt, dass eine bestimmte (nicht benachteiligte) Personengruppe einen eigenen Wettbewerb bräuchte.

Verschiedene Altersklassen, oder Wettbewerbe für Menschen mit Einschränkungen könnten dagegen tatsächlich eine (zumindest theoretisch) sinnvolle Ergänzung sein. Immerhin gibt es ja auch die Paralympics und Fußball-Altherrenmannschaften.

Wie ist das eigentlich im Schach? Gibt es da auch ne separate Wertung für Frauen? Ich trau mich gar nicht, danach zu googeln…

So, nun bin ich auf Eure Meinungen gespannt. Es darf gerne kräftig diskutiert werden. 🙂

 

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Ein Kommentar zu SpeedCubing für Damen

  1. Jessica sagt:

    Kann mir nicht vorstellen, dass sich nun massenhafter Damenandrang bei Cubing-Wettbewerben heinstellt, nur weil in Aussicht steht, sich mit keinem männlichen Teilnehmer messen zu müssen. Was interessiert mich das Geschlecht der anderen Teilnehmer?

    Sinnvoller wäre eine Einführung von verschiedenen Altersklassen wie zum Beispiel U6, U10, U14 oder Ü40, Ü70, Ü90.

    Zudem ist es ja auch irgendwie diskriminierend für die Männer… Schließlich gibt es ja keinen „Male Track“ bei dem ausschließlich Männer cuben dürfen. 😉

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